Die zweite Etappe

Die erste Nacht in den Bergen war nur mit Hüttenschlafsack, Schlafsack und Wolldecke zu ertragen. In unserem Zweibettzimmer waren gefühlte 0°C. Nur durch die Erschöpfung war wohl ein Schlafen möglich. So war es auch nicht verwunderlich, dass wir bereits um 8.00 Uhr nach einem reichhaltigen Frühstück die Abfahrt Richtung Dalaas in Angriff nahmen. Eine defekte Speiche machte eine Änderung der Route über St. Anton notwendig. Bei Dalaas dann das nächste Missgeschick. Mitten in der Zivilisation ein "wunderschöner" Hufnagel im Vorderrad eingefangen. Dank Tubeless und Reifendichtmittel hielt sich der Druckverlust aber in Grenzen. Mit dem "Landbus" ging es dann Richtung Bahnhof Langen. Dort schnell eine Fahrkarte für Mann und Maschine gelöst und auf zum Bahnsteig. Als der Zug Einfuhr wollten wir schnell einsteigen. Ein "netter" Zugbegleiter der ÖBB war aber nicht so amüsiert und wollte unser Unterfangen verhindern. "Radtransport nur mit vorheriger Reservation möglich." war der kurze aber bestimmte Komentar. Nach kurzer Absprache mit seinem Kollegen waren Sie aber doch gewillt uns durch den Arlbergtunnnel mitzunehmen. Zum bereits gekauften Tagesticket für die Räder mussten wir "nur" noch einmal 10 € pro Bike für die Tunnelpassage bezahlen. Die kurze Fahrt verbrachten wir dann im leeren Gepäckwagen stehend bei unseren Rädern.
In St Anton angekommen fiel uns eine Gruppe Biker am Bahnhof auf, die angeregt diskutierten. Sie hatten Tags zuvor vergeblich versucht die Heidelberger Hütte zu erreichen. Sie rieten uns dringend davon ab, die Hütte anzusteuern, da 2 Stunden im knietiefen Schnee nicht wirklich förderlich für die Moral sei, auch sei der Spassfaktor nicht sehr gross gewesen.
Nach dem Reparaturstop im Bikegeschäft haben wir uns dann entschlossen aussen herum über die Silvretta Hochalpenstrassee nach Ischgl zu fahren. 50 km meist auf der Strasse. Durch Tunnels zusammen mit hunderten Autos und dutzenden LKW's bei 25°C. Hier kam kurz die Frage auf. Was ist schlimmer? Abgase und Verkehrslärm oder abgefrorene und durchnässte Zehen?
Die Fahrt auf der Landstrasse war uns aber dann doch zu langweilig. Ein Abstecher über den Wanderweg von St. Anton Richtung Pians erwies sich aber als kompletter Reinfall. Ständig Treppen hoch laufen und wieder runter fahren. Etliche Höhenmeter ohne wirklich Strecke zu machen. Erst bei Flirsch war es uns wieder möglich auf die Strasse zurückzukehren. Dann doch lieber mit Autos und LKW's die Silvretta Strasse hoch Richtung Ischgl. In See im Paznauntal im Hotel Lenz dann das verdiente Mittagessen. Ein Riesenschnitzel mit Pommes dazu ein grosses Apfelschorle um den Staub und die Abgase herunterzuspülen. Nach einem leckeren Eisbecher dann die letzten Kilometer nach Ischgl. In Ischgl angekommen ging es erst mal auf Wohnungssuche. In der Touristinformation waren wir Gäste wirklich unerwünscht. Erst nach ca. 10 min Wartezeit (während wir ständig ein lautes Gelächter aus dem Backoffice hörten) wollte uns einer der 3 Anwesenden helfen. Erst nach mehrmaligem bitten war dann der Mitarbeiter bereit in der infrage kommenden Pension anzurufen.
Die Fahrt zur Übernachtungsmöglichkeit war dann der leichteste Teil der Zimmersuche.
Dann zum Abendessen im Hotel Jägerhof war dann die Vermutung, dass das Personal mit dem der Touriinfo verwandt sein muss. Von Servicequalität zu sprechen wäre sehr vermessen. Im Sommer ist das hier in Ischgl wohl so eine Sache. Ewig langes warten, obwohl wir die einzigen Gäste im Restaurant waren. Immerhin hatte der Koch keinen schlechten Tag. Das Essen war erstaunlich gut für ein 4 Sterne Hotel. 
Erschöpft und satt ab ins Bett. (74.39 km / 1186 hm).